Das Mädchen mit dem schneeweißen Pferd

Felix, du musst doch fressen, damit Du wieder gesund wirst!“

Tränen stehen in Franzis Augen, weil sie nichts weiter tun kann, als zusehen, wie Felix immer schwächer wird. Er schaut sie an, stupst mit seinem Maul vorsichtig an ihre Wange und drückt seinen Kopf liebevoll an ihre Schulter.

Beinahe wäre das zierliche blonde Mädchen dabei umgefallen. Aber Franzi weiß, was Felix ihr sagen will: „Ich hab‘ dich lieb!“ Die Beiden brauchen keine Worte, um sich zu verstehen.

Franzi ist 13 Jahre alt. Felix, ein schneeweißes Welsh-Pony, ist ihre erste große Liebe, ist ihr Leben – seit 11 Jahren schon. Franzi kennt es nicht anders. Felix ist immer da. Er hört ihr zu, wenn sie traurig ist. Er freut sich mit ihr, wenn der Frühling kommt und sie endlich wieder hinaus reiten, um den Duft und die tausend Farben der erwachenden Natur zu genießen. „Ich liebe Dich!“ flüstert das Mädchen dem Pony immer wieder ins Ohr, wenn sie den langen Feldweg hinter Felix‘ Weide entlang reiten. Wenn sie unterwegs rasten und miteinander erzählen, dann sagen seine Augen: „Rede weiter! Ich hör‘ Dir zu!“

Heute ist alles anders. Felix steht in seiner Box und schaut hinaus auf die saftige, grüne Weide, wo er so viele schöne Stunden mit seiner kleinen Freundin erlebt hat. Felix ist krank, so krank wie nie zuvor.

Franzi weint, nimmt Felix ganz fest in ihre Arme und sagt ihm immer wieder, wie lieb sie ihn hat und dass sie ohne ihn nicht leben kann. Sie küsst seinen Hals, schmust mit ihm, spürt seine Wärme und sein weiches Fell. Das Pony schaut Franzi mit großen, treuen Augen an, aus denen grenzenloses Vertrauen spricht:

Wenn Franzi da ist, dann wird alles gut …

Draußen streichen die letzten Strahlen der Abendsonne sanft übers Land. Sie hat ihre wärmende Kraft schon verloren und doch steht sie, schön wie nie zuvor, wie ein blutroter Feuerball am Horizont …

Ein schneeweißes Kuscheltier?

Als Franzi und Felix sich zum ersten Mal begegnen, ist die Magie des Augenblicks greifbar. Ein zweijähriges Mädchen bestaunt ein großes, schneeweißes Kuscheltier. Das Pony stupst die Kleine mit seiner feuchten Nase an! Doch Franzi hat überhaupt keine Angst. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Franzi kann sich heute nicht mehr daran erinnern, aber so muss es wohl gewesen sein, denn als ihre Erinnerungen mit etwa 5 Jahren einsetzen, sind die Beiden schon längst unzertrennliche Freunde.

In diesem Alter lernt Franzi reiten, ein kleines, vor Freude strahlendes Mädchen. Seine Beinchen reichen kaum bis zum kugelrunden Pony Bauch hinab. Stolz und glücklich sitzt Franzi auf Felix‘ Rücken und lässt sich Runde um Runde über die große, bunte Wiese tragen. Sie genießt es, mit Felix zusammen zu sein, schenkt ihm unzählige Streicheleinheiten und ganz langsam, so als ob sich eine Rosenknospe den wärmenden Strahlen der Sonne öffnet, erblüht zwischen dem Mädchen und dem Pony eine ganz besondere innige Liebe. Jeden Tag begrüßt Felix seine Franzi mit einem wohlklingenden Wiehern. Fast hört es sich an wie ein Brummen, das tiefe Zufriedenheit und Freude ausdrückt.

Alles gemeinsam – für immer zusammen!

Als Franzi 7 Jahre alt ist, dürfen sie und Felix zum ersten Mal ganz allein ausreiten. Der erste „Ausritt“ führt zwar nur einmal die Auffahrt hinab und wieder zurück, doch Franzi ist unendlich stolz. Von nun an dürfen die Beiden öfter zusammen raus. Franzi stellt kleine Hindernisse auf die Weide und Felix übt Springen. Er versteht zwar nicht so recht, was seine kleine Freundin von ihm möchte, aber er spielt das lustige Spiel gerne mit. Es macht Spaß, mit dem kleinen Mädchen auf der Wiese herum zu toben. Franzi ist nicht böse, weil es mit dem Springen nicht geklappt hat. Immerhin hat sich Felix große Mühe gegeben. Dafür wird er nun liebevoll gestriegelt und geküsst. Während die Beiden noch miteinander beschäftigt sind, fällt Franzi ein, dass sie doch gleich noch einen kleinen Ausritt machen könnten. Gesagt – getan! Felix ist überglücklich und „entführt“ seine Freundin in den nahen Wald, wo er eine geheime, wunderschöne Blumenwiese kennt, an deren Rand ein klarer, kühler Bach plätschert!

Niemand weiß, wie zärtlich die beiden miteinander umgehen, wie sehr ihre Freundschaft von Achtung und Rücksichtnahme geprägt ist.

Felix ist geduldig und überaus vorsichtig. Franzi kann sich ohne Angst unter seinen Bauch legen. Sie weiß: Felix wird sich keinen Zentimeter bewegen.

Heimwärts nehmen Franzi und Felix ihre Lieblingsstrecke, den Feldweg gleich hinter der Weide. Franzi hat inzwischen richtig reiten gelernt, ist sicherer geworden und lässt Felix galoppieren, bis ihr der Wind die Tränen in die Augen treibt. Mit der Zeit werden die Ausritte immer länger. Das Mädchen und sein schneeweißes Pferd – was für ein anmutiges Bild! Was für eine unvergessliche Liebe!

Kinderjahre

So vergeht Jahr um Jahr. Franzi und Felix erleben die tollsten Sachen – und mancher Unfug bringt ihnen richtigen Ärger ein. Warum müssen auch die Beiden ausgerechnet über einen Tennisplatz reiten? Das klingt zwar wie bei Wilhelm Busch, aber lustig finden das einige Erwachsene ganz und gar nicht.

Manchmal nimmt Franzi ihre Freunde mit zu Felix. Sie ist so stolz, ihr Pony anderen zu zeigen. Gemeinsam mit ihrer Schwester Ela zeltet Franzi manche Nacht bei den Pferden auf der Weide. Ela hat auch ein Pony. Es heißt Susi. Jeden Morgen wird Ela von Susi geweckt, denn Susi weiß ganz genau, wann es Zeit zum Aufstehen ist.

In den Ferien sind die beiden Mädchen gemeinsam mit den Pferden auf einem Campingplatz, zwei ganze Wochen lang. Schon um 5 Uhr Morgens sind sie auf den Beinen, genießen die Ruhe, die frische, kühle Luft und den wunderschönen Sonnenaufgang…

Heute, viele Jahre später, erinnert sich Franzi noch immer voller Sehnsucht an diese Zeit:

„Ich sehe Felix vor mir, wie ich mit ihm rede, mit ihm schmuse, wie er zur Begrüßung freudig wiehert. Ich sehe ein kleines Mädchen auf einem schneeweißen Pferd einen langen Feldweg entlang galoppieren. Die Augen des Mädchens strahlen. Leise flüstert die Kleine dem Pferd etwas ins Ohr:

Ich liebe dich! Ich liebe dich für immer!“

Das Versprechen

Felix ist zu schwach. Er kann nichts fressen, hat schlimme Schmerzen und doch genießt er Franzis Nähe. Sie weiß, dass sie bald Abschied nehmen muss. An diesem Abend gibt Franzi ihrem schneeweißen Pony ein Versprechen:

„Wenn Du sterben musst, dann bin ich bei Dir. Ich lass‘ Dich nicht alleine, das verspreche ich Dir ganz fest!“

Immer wieder küsst und streichelt sie Felix. Tränen rollen über ihre Wangen. Franzi ahnt nicht, dass dieses Versprechen ihr ganzes Leben verändern wird …

Natur, Licht und Freiheit

Inzwischen ist Franzi ein Teenager. Da geschieht zum ersten Mal etwas, das ihr gemeinsames Glück trübt. Felix zieht in einen großen Reitstall um. Sauber ist es dort und warm und es gibt eine große Reithalle.
Aber in Felix’ neuer Box ist es dunkel und er ist es gewohnt, direkt hinaus schauen zu können auf die Wiesen und Felder. Das Leuchten in Felix’ Augen erlischt. Bald geht es Felix immer schlechter. Er wird traurig, hat keine Freude mehr am Leben, wird bockig und vergisst, was er gelernt hat.

Nur seine beste Freundin, seine Franzi, die vergisst er nicht! Franzi ist es, die Felix Kraft gibt. Als er beginnt, sich gegen die Gefangenschaft in der dunklen Scheune zu wehren, kommt es beinahe zu einem schlimmen Unglück. Felix geht plötzlich rückwärts und …

Zum ersten Mal geht Felix mit Franzi durch, völlig überraschend und ohne Vorwarnung. Zum ersten Mal hat Franzi Angst, als Felix sich plötzlich aufbäumt und dann wild und völlig außer sich losrennt.

Felix kann nicht sprechen, aber Franzi weiß längst, was ihm fehlt. Seine Augen sagen mehr als Worte. Er möchte zurück auf seine Weide, in seine alte Box, von wo er seinen Lieblingsplatz immer sehen kann. Aber Franzi ist nur ein kleines Mädchen. Wie soll sie ihm helfen? All das jagt ihr in Sekundenschnelle durch den Kopf, während Felix wie wahnsinnig durch die Halle rast. Ebenso plötzlich, wie es begann, ist es auch wieder vorüber. Vor einem riesigen Hindernis bleibt Felix stehen, so als ob er schlagartig begriffen hätte, in welche Gefahr er Franzi gebracht hat.

Jetzt haben auch Franzis Eltern verstanden. Felix darf zurück auf seine Weide, in sein zu Hause – ganz nahe bei seiner allerbesten Freundin …

Felix ist wieder frei. An manchen Tagen lässt Franzi ihn einfach nur auf der Weide laufen, die Freiheit genießen und sich austoben. Still sitzt die 13jährige mit angezogenen Beinen im Gras und schaut Felix zu, wie er mit Susi, dem Pferd von Ela, über die Weide trabt. An manchen Tagen gehen Franzi und Felix auch einfach nur spazieren, träumen und genießen ihre Zweisamkeit. Jeder Tag mit Felix ist wunderschön.

Franzi:

„Die Zeit verging viel zu schnell. An manchen Tagen wollte ich die Zeit anhalten. Ich wünschte ich hätte es gekonnt. Es gibt so viele Momente, die ich vor mir sehe, so viele schöne Erinnerungen. Ich sehe weite, hohe Wiesen und uns zwei, wie wir darüber reiten. Im Sommer ritt ich immer ohne Sattel und barfuß. Es war ein tolles Gefühl, den warmen Pferdekörper an meinen Beinen zu spüren.“

Franzi ist ein Kind der Natur, liebt alles Natürliche, mag Blumen, die Wiesen und Wälder, auch noch Jahre später …

Von Felix lernt sie, dass man nicht reden muss, um sich zu verstehen. Er zeigt ihr eine Welt, für die viele Menschen längst blind geworden sind. Auf ihren Wegen durch die unberührte Natur entdecken die Beiden die schönsten Schmetterlinge, die buntesten Blumen und Rehe, die gemächlich am Waldrand äsen.

Jeder, der das Mädchen mit dem schneeweißen Pferd sieht, kann gar nicht anders, als die tiefe Verbundenheit, die Vollkommenheit und die Ästhetik dieser einzigartigen Liebe zwischen Mensch und Tier zu bewundern.

Franzi und Felix gehören zusammen, wie der junge Frühling und die Sonne am Morgen, wie der Regenbogen und der warme Sommerregen, wie die goldenen Garben und der bunte Herbst oder wie die erwachende, heftige Liebe und die Blüte der Jugend. Jede freie Minute schenkt Franzi ihrem geliebten Pony. Ganz gleich, wie traurig Franzi ist – Felix muntert sie immer wieder auf. Er hilft ihr über den ersten Liebeskummer, tröstet sie, wenn es zu Hause Stress mit den Eltern gibt, ist immer für seine Freundin da. Sie liebt den Geruch seines Fells, sehnt sich jeden Tag aufs Neue nach seiner Wärme und vergisst die Zeit, wenn sie seine seidige Mähne bürstet. Es ist ein Fest aller Sinne, wenn die Beiden zusammen sind, etwas unvergleichlich Schönes, ein einmaliges Geschenk.

Franzi:

„Ich werde niemals vergessen, wie Felix über die Wiese galoppierte, den Kopf stolz und aufrecht und mit erhobenem Schweif. Kein Mensch kann sich vorstellen, wie viel Liebe man in so einem Augenblick für sein Pferd empfindet - oder wenn Felix mit seinem warmen Maul zärtlich über meine Wange strich und durch mein Haar. Oft legte er auch seinen Kopf auf meine Schulter und ich redete mit ihm.

Es verging kaum ein Tag, an dem wir nicht lange Ausritte gemacht haben. Wir ritten durch Wälder, an Bächen entlang, machten Picknick, tobten uns aus beim Wettrennen gegen meine Schwester und ihr Pony Susi. Immer haben wir gewonnen, obwohl Felix älter war …“

Ob Sommer oder Winter, ob Sonne, Regen oder Schnee – Felix und Franzi sind unzertrennlich, immer unterwegs. Sie genießen sich. Die unendliche, reine Liebe zwischen dem Mädchen und dem schneeweißen Pony hat etwas Atemberaubendes.

Einmal passiert es, dass Franzi zu viel von Felix verlangt. Der Weg ist zu weit; Felix beginnt zu lahmen. Das Mädchen führt ihn nach Hause, schleppt seinen schweren Sattel den ganzen langen Weg zurück. Franzi hat unglaubliche Schuldgefühle. An diesem Abend pflegt sie Felix ganz besonders lange, sitzt bei ihm und bittet ihn immer wieder um Verzeihung …

Der dunkle Schatten

Als Felix noch ein Fohlen war, lebte er bei einer alten Frau. Eines Tages wurde die Frau sehr krank und konnte sich nicht mehr um Felix kümmern. So stand das kleine Fohlen tagelang in einem feuchten, schmutzigen Stall und wurde schließlich sehr krank. Felix bekam im Laufe seines Lebens immer wieder einen bösen Husten. Und immer wieder gelang es, die heimtückische Krankheit durch Franzis Pflege und Fürsorge zu besiegen. Ihre Nähe und ihre Liebe zu Felix halfen mindestens genau so, wie der Tee, den Franzi und ihre Eltern für ihn zubereiteten, und die Medikamente, die der Tierarzt verordnete.

An jenem Frühlingsabend im Mai 2000 helfen weder Liebe noch Medikamente. Felix wird immer schwächer. Er hat eine schwere Lungenentzündung. Weil er nichts mehr fressen kann, kann sein Körper sich auch nicht mehr gegen die Krankheit wehren. Längst ist er abgemagert, doch Franzi glaubt fest daran, dass er es schaffen wird.

Das Mädchen sieht den fürchterlichen schwarzen Schatten nicht, der seit Stunden über Felix schwebt. Franzi ahnt nicht, dass andere längst beschlossen haben, dass ihr Freund gehen muss.

Franzi:

„Am 30.05.2000 sah ich Felix zum letzten Mal. Ich wusste nicht, dass ich ihn nach diesem Tag nie wieder sehen sollte. Es war ein wunderschöner, warmer Frühlingstag. Die Vögel sangen, die Bäume wurden schon richtig grün und alles schien perfekt. Felix war schon sehr schwach und ich sagte ihm, dass er ab diesem Tag in Rente gehen würde.

Ich bürstete ihn gründlich und sagte ihm sehr oft, dass ich ihn liebe. Ich redete die ganze Zeit mit ihm und ich weiß, dass er mich verstanden hat. Ich sagte zu ihm, man hätte ihn lieber Sandy nennen sollen, weil er so sandig war. Außerdem gab ich ihm an diesem Tag ein Versprechen, welches mich für mein Leben zeichnen sollte. Ich versprach ihm, dass, wenn er mal stirbt, ich dann bei ihm bin, dass ich ihn dann nicht alleine lasse…“

Einen Tag später wird Felix in die Tierklinik gebracht. Franzi erfährt es erst, als er schon weg ist. Sie weint, schreit und bittet ihre Mutter immer wieder, ihn noch einmal sehen zu dürfen. Franzi erzählt von ihrem Versprechen. Sie möchte bei Felix sein, wenn er gehen muss. Doch ihre Eltern bestimmen es anderes. Sie meinen es gut, wollen ihrer Tochter den Anblick des sterbenden Ponys ersparen – und tun Franzi damit unendlich weh …

Franzi:

„Meine Mutter versuchte, mich zu beruhigen, aber es ging nicht. Ich fragte sie ob wir hinfahren können und sie sagte mir, dass ich zu klein dafür wäre und dass Felix merken würde, wenn ich traurig bin und dass ich das doch nicht wollte. Ich erzählte ihr von meinem Versprechen, aber sie sagte, dass Felix das nicht helfen würde, wenn ich da bin und weine. Ich sollte ihn in Erinnerung behalten wie er war. Die nächsten Stunden und Tage waren die schlimmsten in meinem Leben.

Um 18 Uhr am 1.06.2000 wurde Felix eingeschläfert und für mich brach eine Welt zusammen…“

Von einem Tag auf den anderen ist Franzis fröhliches Kinderlachen verschwunden – für immer. Tage- und nächtelang weint sie und quält sich selbst mit dem Gedanken, ein wichtiges Versprechen nicht gehalten zu haben. Wer in ihre Augen schaut, muss nichts mehr fragen. Eine tiefe, schmerzvolle Trauer hat Besitz von dem Mädchen ergriffen, das noch gestern mit seinem schneeweißen Pony den jungen Frühling begrüßt hat.

Franzi:

„Nach 2 Wochen fuhren wir zum ersten mal wieder zum Stall. Ich hatte Blumen gepflückt für Felix. Am Stall angekommen brach ich weinend zusammen. Ich legte die Blumen nieder und ging in seine Box, setzte mich auf seine Futterkrippe und weinte. Ich wollte sterben, ich wollte einfach nur sterben. Alles roch nach Felix, aber er war nicht da wie sonst. Er begrüßte mich nicht mit seinem tiefen Wiehern. Er wuschelte mir nicht mit seinem Maul durchs Haar oder rieb seinen Kopf an meiner Schulter, sodass ich beinah umfiel. Nach langer Zeit stand ich auf, ging in die Sattelkammer und holte seine Satteldecke.
Meine Mutter wollte, dass ich sie ausschüttle, wegen der Haare, aber ich weigerte mich. Ich nahm sein Halfter vom Haken, blickte mich noch einmal um und ging…

Zuhause saß ich oft da und roch an seiner Decke. Ich weinte jeden Tag und dachte an ihn. Ich baute ihm einen Altar, was meine Eltern mit gemischten Gefühlen beobachteten.

Jeden Abend seit seinem Tod sage ich Felix Gute Nacht und dass ich ihn liebe. Seit acht Jahren wünsche ich ihm eine Gute Nacht. Oft rede ich abends ganz heimlich mit ihm. Ich erzähle ihm, wie es mir geht und wie sehr ich ihn vermisse. Ich träume oft von ihm und der wunderschönen Zeit, die wir gemeinsam hatten. Ich liebe ihn noch immer über alles...

Felix, ich liebe dich!

Du warst mein Leben, meine Liebe, mein Herz!“

Franzi wird krank, nimmt ab und muss schließlich, ein Jahr nach Felix‘ Tod, ins Krankenhaus. Ärzte und Psychologen bemühen sich um das Mädchen. Doch Franzis Liebe zu Felix ist unheilbar…

Mit 17 bekommt Franzi ein Baby, einen kleinen Jungen. Bei ihm und ihrem Freund findet ihr großes Herz endlich wieder eine Heimat.

Tiere gehören auch zu Franzis neuer Familie. Die beiden Hunde Thyson und Whity und ihre Kaninchen haben es gut bei Mama Franzi.

Doch noch immer, nach so vielen Jahren, redet Franzi jeden Abend mit ihrem Felix, erzählt ihm von ihrem Glück ebenso wie von ihren Sorgen, von der Krankheit, gegen die sie seit Felix‘ Tod kämpft, und der nie enden wollenden Sehnsucht …

© Franziska Schödel & Mario Lichtenheldt

Wieso?

Niemand sieht meine Tränen,
heimlich nachts geweint.
Niemand sieht wie ich mich fühle,
weil ich es niemandem zeig.
Wieso sind meine Arme voll von Narben?
Vielleicht ist es nur ein Schrei?
Aber der Schrei kommt nirgendwo an!
Warum kann mich keiner hören?
Wieso kann keiner mein Leiden spüren?
Wieso kann ich nicht einfach sagen,
wie ich mich fühle?
Warum kann ich mich nicht akzeptieren?
Warum hasse ich mich so?
Wieso bin ich selten froh?
Will endlich lachen, lieben, leben...
aber wer will mir schon Liebe geben...?

Franzi

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Und später...?

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... und noch später

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